Hinter Aguacate
Aguacate ist die Geschichte einer Köchin, die zwischen dem Orinoco und Wien aufgewachsen ist. Sie heißt Shehawhe Scacco, und das hier ist ihr Weg.
Foto: Shehawhe in der Küche (Founder-Register)
Wurzeln
Shehawhe wuchs in Caicara del Orinoco auf, einem Ort am Rand des Amazonas. Ihre Großmutter führte dort kleine Restaurants direkt am Fluss — mit Tischen unter dem offenen Himmel und Gerichten, die jeden Morgen aus frischen Zutaten entstanden. Was Shehawhe heute kocht, fängt dort an: bei dem, was sie als Kind in dieser Küche gerochen und geschmeckt hat.
Zwischen zwei Welten
Mit acht Jahren reiste sie zum ersten Mal nach Linz — ihr Vater ist italienischer Herkunft, ihre Tante lebt seit Jahrzehnten in Oberösterreich. Sommer in Europa, das Schuljahr in Venezuela: zwei Welten, die nebeneinander existierten, ohne sich gegenseitig aufzuheben.
Nach der Schule kehrte sie nach Caracas zurück und begann eine Karriere in der venezolanischen Luftfahrt, bei der Fluggesellschaft SBA. Service als Beruf — den Gast wahrzunehmen, das richtige Wort zur richtigen Zeit, eine ruhige Hand, wenn es turbulent wird. Diese Jahre legten den Grundstein für etwas, das später in Wien zurückkommen würde: das Gefühl dafür, wie aus einem Raum ein Erlebnis wird.
Schließlich brachte sie ihr Weg zurück nach Wien. Dieses Mal nicht zu Besuch.
Foto: Aguacate in Benutzung (Ambience-Register)
Vom Markt in die eigene Küche
In Wien fing alles klein an. Ein Stand auf dem Spittelberger Weihnachtsmarkt, eine Auswahl handgemachter Arepas, lange Schlangen in der Kälte. Dann ein erster, winziger Laden mit kaum sechzig Quadratmetern — kaum Platz für drei Tische, aber genug, um eine Stammkundschaft aufzubauen.
Heute steht Aguacate in der Mohsgasse, im dritten Bezirk, auf knapp 220 Quadratmetern. Aus dem Stand wurde ein Restaurant, in dem du frühstücken, ausgiebig zu Mittag essen oder einen langen Abend mit Freunden verbringen kannst.
Warum Aguacate?
Drei Schichten stecken in dem Namen. Die offensichtliche: eine Avocado, frisch und sichtbar gesund — ein Signal an alle, die in Wien ein einfaches, leichtes Mittagessen suchen. Die zweite: in Venezuela heißt sie aguacate, nicht palta. Es ist die richtige Sprache für das, was hier auf den Tisch kommt. Und die dritte: auf vielen unserer Gerichte liegt tatsächlich eine. Avocado-Scheiben auf der Reina Pepiada, Avocado-Creme in der Pabellón, Avocado in den Bowls — sichtbar, nicht versteckt.
Aguacate heute ist eine venezolanische Küche, die weit über die erste Arepa Wiens hinausgeht. Hausgemacht, jeden Tag, mit Zutaten, die wir kennen, und Rezepten, die irgendwo zwischen dem Orinoco und der Mohsgasse entstanden sind.
Komm vorbei. Iss in Ruhe. Das ist eigentlich alles.